1. Startseite
  2. Politik
  3. Ausland
  4. Giftgas-Angriff in Syrien: "Assad nutzt die Fokussierung auf den IS aus"

SyrienGrausamer Giftgas-Angriff: "Assad nutzt die Fokussierung auf den IS aus"
53
  • Startseite
  • Teilen
  • Kommentare
  • E-Mail
  • Mehr
  • Twitter
  • Drucken
  • Fehler melden

    Sie haben einen Fehler gefunden?

    Bitte markieren Sie die entsprechenden Wörter im Text. Mit nur zwei Klicks melden Sie den Fehler der Redaktion.
Luftangriff
dpa/Hadi Alabdallah Nach einem Luftangriff in Aleppo versuchen Helfer Opfer aus den Trümmern eines Hauses zu bergen.

Bei einem Giftgas-Angriff in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 58 Zivilisten getötet worden. Die internationale Staatengemeinschaft macht Präsident Baschar al-Assad für das grausame Verbrechen verantwortlich, bei dem auch Kinder starben. Im Interview mit FOCUS Online erklärt Nahost-Experte Abdel Husseini mögliche Motive für die Tat.

1. Was ist passiert?

Bei einem Giftgas-Angriff in Syrien sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 58 Zivilisten getötet worden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, wurde das Gas am Dienstagmorgen bei einem Luftangriff auf die Stadt Chan Scheichun in der nordwestlichen Provinz Idlib freigesetzt. Unter den Opfern waren demnach auch elf Kinder. Zahlreiche Menschen seien in Ohnmacht gefallen, hätten sich erbrochen und Schaum vor dem Mund gehabt. Der Zustand vieler Verletzter sei ernst.

Auch das Krankenhaus, in dem Ärzte die Opfer behandelten, ist unter Beschuss genommen worden. Wie ein AFP-Reporter berichtete, schlug eine Rakete am Eingang der Klinik ein und zerstörte Teile des Gebäudes.

Abdel Mottaleb El Husseini

Der Journalist und Publizist beschäftigt sich mit der politischen Landschaft der arabischen Welt und den Beziehungen der Golfstaaten zum Westen. Seine Texte sind unter anderem erschienen auf FOCUS Online, in der Frankfurter Rundschau, im Handelsblatt, bei taz, NZZ, Focus, N24, n-tv, WDR, ZDF und der Deutschen Welle. Husseini wurde 1949 im Libanon geboren.

2. Wer ist für den Giftgas-Angriff verantwortlich?

  • Option 1: Das Regime von Baschar al-Assad

Aktivisten zufolge soll die syrische Luftwaffe den Giftgas-Angriff geflogen haben. Bei ihren Angaben stützen sich die in England befindlichen Menschenrechtsbeobachter auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. Ihre Einschätzungen haben sich in der Vergangenheit als zuverlässig erwiesen. Auch die EU macht Assad verantwortlich.

Bereits 2013 waren östlich der Hauptstadt Damaskus bei Angriffen mit Giftgas rund 1400 Menschen getötet worden. Sowohl die syrische Opposition als auch die Vereinten Nationen machten damals das Regime von Präsident Baschar al-Assad dafür verantwortlich.

UN-Experten sind sich zudem sicher, dass Assads Truppen sowohl im April 2014 als auch im März 2015 in zwei Dörfern der Provinz Idlib Giftgas eingesetzt haben – obwohl sich der syrische Machthaber 2013 auf Druck des Westens verpflichtet hatte, sämtliche Chemiewaffen abzugeben.

Für Nahost-Experte Abdel Husseini ist ein erneuter Giftgas-Anschlag des Regimes daher nicht auszuschließen. Im Gespräch mit FOCUS Online erklärt er: „Schließlich weiß Assad, dass ihm die Staatengemeinschaft trotz des internationalen Verbots von Chemiewaffen nichts anhaben wird. Das hat schon US-Präsident Barack Obama bewiesen, der 2013 sogar einen Militärschlag unter Nato-Führung erwogen hatte – aber letztendlich einen Rückzieher machte.“

Hinzu komme, dass sich die USA derzeit auf den Kampf gegen den Islamischen Staat fokussiere. Husseini sagt: „Die USA haben derzeit kein Interesse, Assad zu stürzen. Sie wollen die Terrormilizen besiegen, die auch im eigenen Land eine Gefahr darstellen.“ Assad könnte also dadurch das Gefühl haben, freie Hand zu haben.

Vor diesem Hintergrund könnte der Präsident versuchen, seine Macht auch in Idlib zurückzugewinnen. Nach monatelangen Kämpfen ist es seinen Truppen gelungen, Aleppo wieder einzunehmen. Dadurch kontrolliert Assad die größten Städte Syriens und damit einen Großteil der Bevölkerung. „Idlib ist eine der letzten Hochburgen der Aufständischen, die es für Assad noch zu bezwingen gilt“, so Husseini weiter.

  • Option 2: Terrormilizen innerhalb der Opposition

In Idlib sind auch die Terrororganisationen Islamischer Staat und Al-Qaida besonders stark, sagt Husseini. Dass sie hinter dem jüngsten Giftgasangriff stecken könnten, hält der Experte ebenfalls für möglich: „Durch einen solchen Anschlag könnten sie versuchen, das Kräfteverhältnis wieder zu ihren Gunsten zu verändern.“

Für einen Giftgasangriff durch die Terrormilizen könnte auch sprechen, dass der IS im Syrien-Krieg bereits Senfgas eingesetzt hatte. Zu diesem Schluss kamen 2016 auch UN-Experten in ihrem Bericht für die „Organisation für das Verbot von Chemiewaffen“ (OPWC).

Dass die Terrormiliz derzeit der Hauptgegner der USA und seiner europäischen Partner ist, spreche ebenfalls gegen einen Giftgasangriff durch das syrische Regime. Der Experte erklärt: „Assad könnte sich eigentlich in Sicherheit wiegen, da er nicht im Fokus der internationalen Staatengemeinschaft steht. Er würde aber mit einem Giftgasangriff mögliche Sanktionen auf sich ziehen.“

3. Welche Konsequenzen folgen?

Ob und welche Folgen der Giftgasangriff in Idlib für das syrische Regime haben wird, ist noch nicht klar. Bislang haben Frankreich und Großbritannien eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats gefordert.

Im Video: Weicht der IS nach Ägypten aus? Christen fliehen vor Dschihadisten

FOCUS Online/Wochit Weicht der IS nach Ägypten aus? Christen fliehen vor Dschihadisten
 
Zum Thema

Vielen Dank! Ihr Kommentar wurde abgeschickt.

Im Interesse unserer User behalten wir uns vor, jeden Beitrag vor der Veröffentlichung zu prüfen. Als registrierter Nutzer werden Sie automatisch per E-Mail benachrichtigt, wenn Ihr Kommentar freigeschaltet wurde.

Artikel kommentieren Netiquette | AGB
Bitte loggen Sie sich vor dem Kommentieren ein Login
Überschrift Kommentar-Text
Leser-Kommentare (85)

05.04.2017 | Frank Schauer

Der Westen muss seine Zurückhaltung aufgeben!

Der Westen muss in Syrien eingreifen und seine Zurückhaltung aufgeben! Das menschenverachtende Assad-Regime muss gestürzt und durch eine demokratische Regierung ersetzt werden. Es wird in Syrien niemals Frieden geben so lange Assad an der Macht bleibt. Der Giftgasangriff in Idlib, der höchstwahrscheinlich auf das Konto der syrischen Regierung geht, ist ein Kriegsverbrechen. Gleichzeitig muss die Terrororganisation Islamischer Staat niedergekämpft werden. Der IS ist für zahllose Verbrechen verantwortlich und muss sowohl im Irak als auch in Syrien vernichtet werden. Der Westen muss den moderaten Rebellen in Syrien bessere Waffen geben. Dazu gehören auch Flugabwehrraketen. Zudem müssen die Assad-Truppen und der IS massiv aus der Luft angegriffen werden. Das Morden in Syrien muss aufhören!

Antwort schreiben
0
-3

05.04.2017 | Frank Schauer

Das Assad-Regime muss gestürzt werden!

Der Westen muss in Syrien eingreifen und seine Zurückhaltung aufgeben! Das menschenverachtende Assad-Regime muss gestürzt und durch eine demokratische Regierung ersetzt werden. Es wird in Syrien niemals Frieden geben so lange Assad an der Macht bleibt. Der Giftgasangriff in Idlib, der höchstwahrscheinlich auf das Konto der syrischen Regierung geht, ist ein Kriegsverbrechen. Gleichzeitig muss die Terrororganisation Islamischer Staat niedergekämpft werden. Der IS ist für zahllose Verbrechen verantwortlich und muss sowohl im Irak als auch in Syrien vernichtet werden. Der Westen muss den moderaten Rebellen in Syrien bessere Waffen geben. Dazu gehören auch Flugabwehrraketen. Zudem müssen die Assad-Truppen und der IS massiv aus der Luft angegriffen werden. Das Morden in Syrien muss aufhören!

Antwort schreiben
0
-3

05.04.2017 | Karl-Heinz Schmidt  | 2 Antworten

Dumm gelaufen.

Die USA wollten mit Hilfe der sog.Rebellen einen Machtwechsel in Syrien erzwingen-Irak 2. Aber sie haben Russland vergessen! Warum sollte Assad Giftgas einsetzen? Die Regierungstruppen befinden sich auf breiter Front im Vormarsch!!!!!!!!!!!!!

Antwort schreiben
+4
-1
  • 06.04.2017 | Alex Podbolski

    @Christine Burbaum

    Fest steht , wie meistens, gar nichts, außer daß man nichts ungeprüft glauben darf, was die Regierungspropaganda uns weis machen will . Ich für meine Person gebe zu, nicht zu wissen, wer den Giftgasanschlag ausgeübt hat und vermute stark, daß Sie es auch nicht wissen .

Alle Antworten (1)

05.04.2017 | Karl-Heinz Schmidt

Dumm gelaufen.

Die USA wollten mit Hilfe der sog.Rebellen einen Machtwechsel in Syrien erzwingen.Dabei hat man den Faktor Russland falsch eingeschätzt.Jetzt,wo sich die Regierungstruppen in breiter Front auf dem Vormarsch befinden warum sollte Assad Giftgas einsetzen? Bar jeder Logik.

Antwort schreiben
+7
0

05.04.2017 | Bernd Jahn

Die Eilmeldung : Milliarden für die Opfer

des syrischen Bürgerkrieges. Das ist nicht ganz richtig, es müßte heißen für die Opfer eines Stellvertreterkrieges in den Grenzen der syrischen Nation. Und es wäre doch einmal wirklich notwendig festzustellen wer sich dort an dem "Bürgerkrieg" so alles beteiligt mit Militär und deren Spielsachen, und andere mit Logistik, Waffen, Informationen und Finanzen.

Antwort schreiben
+6
0

05.04.2017 | Frank Waggner  | 1 Antwort

Könnte es nicht auch sein..

...das bei einem Luftangriff der syrischen Regierung ein Waffenlager der Rebellen getroffen wurde, in dem sich chemische Kampfstoffe befanden, die dann freigesetzt wurden. Ich glaube nicht, das die alles andere als neutrale Beobachtungsstelle für Menschenrechte darüber berichten würde. Wer sich auf deren Meldungen beruft, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann, und man sollte deren Unsinn nicht auch noch weiterverbreiten!

Antwort schreiben
+6
-1
  • 05.04.2017 | Christine Burbaum

    Hr. Waggner,

    wenn die Rebellen so ein Gas gehortet hätten, dann doch nur, um es einzusetzen. Haben sie aber nie, daher haben die auch nichts gehortet und Ihre Theorie ist Unsinn.

    0
    -3

05.04.2017 | Ingrid Jäger  | 2 Antworten

Er tötet Kinder? WER?

Immer wieder interessant, was hier ungeprüft behauptet wird. Er tötet Kinder! Wer? Herr Assad? Warum sollte er? Waren Sie vor Ort, haben Sie sich vor Ort über die tatsächlichen Zustände informiert oder plappert man nur etwas nach was irgendwelche sogenannte Aktivisten behaupten? Dabei werden Terroristen wieder mal verharmlosend als Rebellen bezeichnet. Wer unterstützt seit Jahren diese lieben Rebellen, gibt ihn Esssen, Waffen, Untersschlupf - wer sind diese Zivilisten, bei denen diese Rebellen sich verkriechen dürfen? Aber Hauptsache man behauptet wieder ungeprüft lauthals, was Herr Assad alles böses gemacht hat. Was steckt wirklich dahinter? Große Augen von Herrn Assad verletzten Kindern und zeitgleich erscheint ein Artikel. ca., 280.000 Syrer FORDERN Familiennachzug, natürlich zu uns!

Antwort schreiben
+7
-1
  • 07.04.2017 | Flo Crist

    Propagandamaschinerie der USA+GB

    arbeitet immer gleich. Wie in Irak genauso hier. Interessant ist daß immer Giftgas oder chemische Waffen eingesetzt werden und immer schutzlose Zivilisten ermordert werden.

Alle Antworten (1)

05.04.2017 | Dieter Meyer

Es ist müßig, mit den Assad und Putin Anklägern

zu diskutieren. DIe wissen bereits vorher, wenn mal wieder von einem Gasangriff berichtet wird, wer es nur gewesen sein kann, ob Fakten oder Beweise existent sind, ist unintenressant, dieses damalige Geschwätz von Obama der "roten Linie" trägt offensichtlich bis heute Früchte, auch damals gab es keine Beweise für die Schuld von Assad und den syrischen Truppen. Selbst in dem Bericht hier wird ohne Fakten zu nennen oder tatsächliche Tatabläufe zu kennen, in der Überschrift suggeriert, dass Assad quasi "im Schatten heimlich wie ein feiger Verbrecher die Unaufmerksamkeit der USA und verbündeter Truppen" nutzt, um z.B. diesen Giftgasanschlag zu verüben. So lese ich das. Später im Text wird dann relativiert von dem Islamexperten, wie es alternativ wirklich gewesen sein könnte.

Antwort schreiben
+5
-1

05.04.2017 | Erhard Jakubik

Wer behauptet, dass Assad Giftgas

einsetzt? Es wäre sehr dumm von ihm. Er ist doch durch das Engagement der Russen auf der Gewinnerseite. Nicht einmal Hitler hatte Giftgas eingesetzt, obwohl er das effektivste Gas seiner Zeit hatte u. er am Verlieren war. Es spricht eigentlich nichts für den Einsatz von Giftgas durch Assad. Aber die Logik scheint eine Schwachstelle zur Zeit zu sein.

Antwort schreiben
+6
0

05.04.2017 | Andreas Müller

Immer das gleiche Spiel

Und täglich grüßt das Murmeltier. Wie lang glaubt man eigentlich wird diese Masche der Denunzierung funktionieren? Wir wissen bereits, dass diese Beobachtungsstelle sehr fragwürdig ist und trotzdem wird sich darauf berufen. Wir wisssen außerdem, dass der letzte Giftgasangriff mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht von Assad gestartet wurde und trotzdem versucht man es immer wieder. Die Leute werden sich nicht mehr lange alle so verschaukeln lassen. Für mich ist es kein Wunder, dass die Leute vom Mainstream absehen und der Presse nicht mehr vertrauen.

Antwort schreiben
+6
0
 
HINWEIS: Sie waren einige Zeit inaktiv.
Ihr zuletzt gelesener Artikel wurde hier für Sie gemerkt.
Zurück zum Artikel
Lesen Sie auch
Fotocredits:

colourbox.com, FOCUS Online/Wochit, dpa/Sven Hoppe, dpa/Daniel Bockwoldt, dpa/Turkish President Press Office, dpa/Evan Vucci, dpa/Lino Mirgeler, dpa/Santi Palacios/dpa, colourbox.de, dpa (2), dpa/Daniel Karmann, press-inform / Mercedes, dpa/Hadi Alabdallah, dpa/Patrick Pleul, dpa/Paul Zinken, Jochen Tack, Turner Broadcasting System/Wiedemann & Berg, Econa (2), bitprojects, FOL, Colourbox, Getty images, Otto, FOCUS Online, imago/Future Image, dpa/Safir Makki / Pool/CNN INDONESIA, Huffington Post/Wochit, Huffington Post, imago/Thomas Frey, Bit Projects, AP, Twitter/evleaks, Google Maps, FOCUS Online, The Weather Channel, dpa, Huffignton Post/Wochit, dpa/Daniel Reinhardt, dpa/Axel Heimken, dpa/Pablo Martinez Monsivais, Sparwelt (2), dpa/Marius Becker (2), dpa/Guido Kirchner (2), Colourbox.de, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at, dpa/Christian Bruna
Alle Inhalte, insbesondere die Texte und Bilder von Agenturen, sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur im Rahmen der gewöhnlichen Nutzung des Angebots vervielfältigt, verbreitet oder sonst genutzt werden.
© FOCUS Online 1996-2017
Datenschutzinfo
×