Abgasskandal

Ruf nach 2000 Euro Prämie für Diesel-Katalysator

Halten am Diesel fest: Daimler-Chef Dieter Zetsche (links) und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Halten am Diesel fest: Daimler-Chef Dieter Zetsche (links) und der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Essen.   Autoprofesser Dudenhöffer will mit einem 2000-Euro-Gutschein für einen Katalysator das Dieselproblem lösen. Händler liefern sich Rabattschlacht.

Mit dem „Diesel-Gipfel“ am vergangenen Mittwoch haben die Autobauer eine neue Runde in der Rabattschlacht eröffnet. Ford etwa zahlt bis zu 8000 Euro Bonus, wenn Dieselfahrer beim Kauf eines neuen Autos den alten Wagen verschrotten lassen. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnt bereits vor schwerwiegenden Folgen für den Klimaschutz, sollte die Zahl der Pkw mit Dieselmotoren binnen kurzer Zeit deutlich sinken.

„Bei einem signifikanten Rückgang des Dieselanteils wären die Klimaziele so nicht mehr zu halten“, sagte der Grünen-Politiker der „Welt am Sonntag“. Benziner stoßen mehr klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) aus als Diesel, die wiederum für eine Stickoxid-Belastung sorgen.

Ferdinand Dudenhöffer, Autoprofessor an der Universität Duisburg-Essen, beobachtet, dass die Konzerne die Verunsicherung der Neuwagenkäufer nutzten, um mit noch mehr Rabatten den Markt anzukurbeln. „Gegenüber Januar 2010 lagen die Neuwagenrabatte im Juli um 32 Prozent höher“, sagt Dudenhöffer. BMW zahlt eine Prämie für Neuwagen, die weniger als 130 Gramm CO2 ausstoßen. Ford gewährt einen Bonus, wenn Diesel mit Euro eins bis drei verschrottet werden. Toyota lockt mit einer Hybrid-Prämie von 3000 Euro.

Gutschein auch bei Verschrottung

Um das Dieselproblem zu lösen, schlägt Dudenhöffer dagegen vor, den Steuervorteil des Dieselkraftstoffs von 18 Cent pro Liter gegenüber Benzin aufzuheben. Den Erlös, so der Autoexperte, soll Bundesfinanzfinanzminister Schäuble nutzen, um Dieselfahrern einen Gutschein im Wert von 2000 Euro zukommen zu lassen. Mit dem Geld sollen sie ihre Dieselmotoren mit einem Katalysator nachrüsten lassen, der die Schadstoffe aus den Abgasen filtert. In den Genuss des Gutscheins sollen auch Dieselbesitzer kommen, die sich für Verschrottung entscheiden. „Wer nicht umrüstet, darf in Zukunft nicht mehr mit seinem Diesel in Großstädte fahren“, so Dudenhöffer.

Nicht nur der Autoprofessor ist mit den Ergebnissen des Diesel-Gipfels in der vergangenen Woche unzufrieden. Die vereinbarten Software-Updates seien nicht ausreichend wirksam, kritisierte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie rechne mit einem Rückgang der Stickoxid-Emissionen von weniger als zehn Prozent. Das reiche nicht aus, um Fahrverbote zu verhindern. „Die Autobranche muss nachlegen“, sagte Hendricks dem „Spiegel“.

Seehofer spricht von „Krieg“ gegen Autoindustrie

Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer nahm dagegen die Autobranche vor neuen Forderungen in Schutz. Der CSU-Vorsitzende sagte der „Bild am Sonntag“, er habe den Eindruck, „dass es einigen Politikern und Verbänden darum geht, der Automobilindustrie und damit den Arbeitsplätzen den Krieg zu erklären – auch durch ein Verbot des Verbrennungsmotors. Aber das wird auf den erbitterten Widerstand Bayerns stoßen.“

Man werde gemeinsam mit den Beschäftigten und in deren Interesse gegen „jede Art von Hetzjagd vorgehen“, so der CSU-Chef. „Wir setzen auf ein Bündnis mit den Menschen und Beschäftigten ge­gen grüne Ideologien.“ Man dürfe nicht „die Axt an einen für unser Land und unseren Wohlstand entscheidenden Wirtschaftszweig anlegen“. Gleichwohl hätten die Hersteller Fehler gemacht, die schnell korrigiert werden müssten.

Ohoven für Rückkaufpflicht

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft fordert derweil von den deutschen Autobauern eine größere Entschädigungsbereitschaft. „Es muss eine Rückkaufpflicht für Hersteller bei manipulierten, gewerblich genutzten Dieselfahrzeugen geben“, sagte Verbandspräsident Mario Ohoven dieser Zeitung. Mit Software-Updates und Umstiegsprämien allein sei ei­ne Entschädigung nicht getan. Schließlich seien die Kunden der manipulierten Dieselfahrzeuge in dem Abgas-Skandal die Verlierer.

BMW-Chef Harald Krüger betonte am Wochenende, dass er auch langfristig am Diesel festhalten wolle: „Der Diesel kann sich sehen lassen, wir kapitulieren nicht“, sagte der Manager der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Von Fahrverboten in den Städten halte er nichts. Darüber haben Gerichte zu entscheiden.

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